Stellungnahme zum Taz Artikel vom 9.12.2012

Am 9.12.2012 erschien in der taz ein Atikel von Paul Hockenos mit dem Titel: Aufgeklärter Armutsporno? – Mit dem Rad in ein Roma-Slum

Hierzu eine kurze Stellungnahme:
Warum führt der Autor Paul Hockenos in seinem Artikel den Begriff Armutsporno ein? Warum wird dieser Begriff zur Überschrift? Warum umrahmen Fotos aus Slums in Afrika, Asien und Lateinamerika den Artikel? Wer den Artikel bis zum Ende liest und sich nicht von der reißerischen Überschrift und den Fotos (in der Printausgabe) manipulieren lässt, stellt fest: Sowohl die Fotos als auch die Begrifflichkeit Armutsporno, hervorgehoben zur Überschrift, sind – gelinde gesagt – Fehlgriffe. Wie Paul Hockenos richtig beschreibt, hatten weder die Reisenden ein voyeuristisches oder gar pornographisches Interesse, noch die gastgebenden Roma eines sich zu prostituieren. Insbesondere die Überschrift zeugt von Gedankenlosigkeit (schlimm genug) und sagt mehr über ihren Verfasser als über den Berichtsgegenstand aus. Sie hat allerdings für die Leser in den Dörfern rund um Kecerovce eine indirekt diffamierende Wirkung. Viele von Ihnen leben gar nicht in Slums, sondern in ganz normalen Häusern. Eine solch differenzierende Sicht zu ermöglichen war ein Ziel unserer Reise. Viele Teilnehmende – so auch Paul Hockenos – bestätigen dies, wie ihre Berichte, dokumentiert auf dieser Webseite, zeigen.
In Reaktionen zum Artikel wird auch die Auffassung vertreten, dass derlei Tourismus gestoppt werden sollte. Hierzu: Keine meiner zahlreichen politischen Bildungsreisen haben ein derart nachhaltiges Interesse geweckt: Ein halbes Jahr nach der Reise traf sich die Hälfte der Reisegruppe, zum Teil viele Hunderte Kilometer gereist, zu einem Nachbereitungswochenende im Wendland. Im Zentrum der Diskussion und des Austausches stand u.a. die Situation der Sinti und Roma in Deutschland und die schwierige Situation der zugewanderten Roma aus dem Kosovo und Serbien. Alle sind nun viel neugieriger geworden auf ihre Nachbarn, einige engagieren sich in Initiativen gegen die Abschiebepraxis Deutschlands. Vor Ort in der Ostslowakei haben die aktiven Jugendlichen – durch die Spende der Teilnehmenden – nun einen wärmenden Ofen für Winter-Treffs in ihrem autonomen Jugendclub. Bei zukünftigen Bildungsreisen wünschen sie sich, das ergab die Auswertung, ein Mehr an Verantwortung für Teile des Programmes.

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