Radreisen 2019: Polen und Belarus

Ökologische, historische und aktuelle Grenzlanderfahrungen – Mit dem Rad unterwegs in Ostpolen und in Belarus

Termin: 8.6. – 15.6.2019  

Leitung: Olga Kashkevich, Kostja Chykalau, Thomas Handrich

Politische Radreisen betritt mit dieser Reise Neuland: Der ganz im Osten Polens gelegene Białowieża-Urwald, eines der letzten seiner Art in Europa, war noch nie Reiseziel von Politischen Radreisen. Die Lockerung des Grenzregimes seitens der belarussischen Regierung zur Förderung des grenznahen grenzüberschreitenden Tourismus macht es möglich: Wir überqueren inmitten des Urwaldgebietes die polnisch-belarussische Grenze, eine Schengen-Außengrenze. Und noch eine Neuheit: Die Radreise ist ein kleines deutsch-belarussisches Begegnungsprojekt: Mit uns reisen, auch das ist ein Novum von Politischen Radreisen, insgesamt sieben belarussische Umweltaktivist*innen und kritische Historiker*innen. Sie erklären uns nicht nur die Umweltsituation in Belarus, sondern geben uns Einblicke aus erster Hand in ein Land, dass von Deutschland aus  gesehen, für viele völlig unbekannt ist.
Zunächst sind wir zwei Tage auf der polnischen Seite. Hier stoppte der Europäische Gerichtshof per Beschluss eine  großangelegte Abholzungsaktion. Wir treffen polnische Umweltaktivist*innen, die auch im nächsten Jahr vor Ort sind, um die Biotope zu schützen. Nach zwei Tagen begeben wir uns auf die belarussische Seite des Urwaldgebietes und durchstreifen die umliegenden Dörfer. Nur auf den ersten Blick scheint in den durch Holzbau wie seit ewigen Zeiten geprägten Dörfern die Zeit stehen geblieben zu sein. Bei näherem Hinsehen lässt sich erkennen, dass auch hier die Menschen durch lokale Produkte, sanften Tourismus und Pflege des Brauchtums nach Wegen suchen, enkeltaugliches zu schaffen.

Olga Kashkevich; Leiterin der Umweltinitiative „Bahna“ wird mit mir die Reise leiten

Die große Politik hat in dieser abgeschiedenen Region, an der Schnittstelle zwischen zwei Imperien, immer wieder Geschichte geschrieben. Inmitten des Urwaldes wurde mit den Vereinbarungen von Beloweschskaja Puschtscha im Dezember 1991 die Auflösung der Sowjetunion beschlossen.  Wir werden uns dem Ort der Unterzeichnung, soweit erlaubt, annähern; heute ist der Ort Jagdschloß des belarussischen Präsidenten.  Wir werden auch im Rahmen eines Tagesausfluges (per Busreise) die geschichtsträchtige Stadt Brest besuchen. Im 19. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Stadt,  einmalig auf der Welt, um drei Kilometer nach Osten verlagert, eine gigantische Festungsanlage an der Westgrenze des zaristischen Imperiums hatte Priorität. Später beendete hier der Friede von Brest-Litowsk im Januar 1918 den ersten Weltkrieg im Osten, agierten die deutschen Nationalsozialisten und sowjetischen Stalinisten gemeinsam im Hitler-Stalin-Pakt, bevor dann im Juni 1941 deutsche Truppen den Feldzug gegen Russland begannen. Wie gedenkt man heute in Belarus an  die reiche jüdische und polnische Geschichte und an die Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt?  Eine  Historikerin wird uns an diesem Tag durch Brest führen.

Wichtige organisatorische Hinweise
Für diese Reise sind englische Sprachkenntnisse notwendig (!) u.a.  kommunizieren wir zwischen den deutschen und belarussischen Teilnehmer*innen in englischer Sprache. An zwei Tagen werden wir ca. 75 km zurücklegen müssen, an lediglich 1-2 der drei Übernachtungsorte ist die Unterbringung in Doppelzimmern bzw. Einzelzimmern möglich. Die Räder (normale Tourenräder) müssen vor Ort ausgeliehen werden, die Mitnahme des eigenen Rades ist i.d.R. nicht möglich (Transportprobleme durch Polen). Achtung: Wir befinden uns im Zeckengebiet; FSNE-Impfung wird angeraten!

Leistungen
7 Übernachtungen im Doppel- bzw. Mehrbettzimmer inkl. Vollpension, Erstellung des Programmes der Reise, Reiseleitung inkl. politisches und kulturelles Begleitprogramm, Organisation und Kostenübernahme der Visumbeschaffung, Organisation der gemeinsamen Anreise ab Berlin durch Polen, Organisation Radausleihe (Tourenräder).

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