„Ein Instrument gegen den wieder erstarkenden Antiziganismus in Europa“

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Veröffentlicht am 20. Mai 2012 von Rüdiger Rossig | Hinterlasse einen Kommentar

Zum Abschluss unserer Reise: Drei Fragen an vier TeilnehmerInnen

Beate, 17 Jahre alt

Was war für dich das Positivste an unsere Reise?

Der Grillabend mit den Roma-Jugendlichen aus Rankovce und Kecerovce. Das war schön, weil es so ausgelassen war, dass wir uns unterhalten haben, dass wir Musik gemacht haben, gesungen haben, gegessen haben, einfach beieinander war. Und das ganze Elend, was wir gesehen haben, einfach nicht zu spüren war sondern das es einfach eine gute Stimmung war.

Und das Negativste?

Das ganze Elend zu sehen. Ich fand das total schwierig, damit umzugehen, die ganzen Bilder im Kopf zu ordnen und auseinander zu klamüsern. Es ist wichtig, dass man weiß, dass es so was gibt… aber es hätte mir auch nicht geschadet, hätte ich das alles nicht gesehen. Es war schon ziemlich hart.

Was war das Wichtigste?

Mich mal damit zu beschäftigen, dass es in unserer heutigen Welt, in der wir leben, Menschen gibt, die komplett anders leben, als wir, auf eine Art, von der man denken sollte, dass es das seit 500 Jahren oder so nicht mehr gibt.

Karin, 28

Was war für dich das Positivste an unsere Reise?

Einerseits die Begegnung mit dem Menschen selbst. Also auch zu sehen, wie es Menschen schaffen, sich auch unter den widrigsten Umständen zu arrangieren. Und andererseits den Austausch darüber in der Gruppe.

Und das Negativste?

Mit der langen Verfolgungs- und Ausgrenzungsgeschichte der Roma vor Ort direkt konfrontiert zu werden. Und dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu haben, weil das das so ausweglos und so gesetzt ist, dass das so sich weiterentwickeln, sich reproduzieren wird.

Und das Wichtigste?

Bestimmte Systematiken, Zusammenhänge und Muster besser zu durchschauen und wiederzuerkennen, um mit Informationen besser umgehen zu können. Und mit den Vorurteilen, denen man so tagtäglich begegnet, auch produktiv entgegentreten zu können. In dem Sinne ist die Reise auch Öffentlichkeitsarbeit, ein wirkungsvolles Instrument gegen den wieder erstarkenden Antiziganismus in Europa.

Rainer, 55

Was war für dich das Positivste an unsere Reise?

Zum einen der Gruppenzusammenhalt, der sich im Laufe der Woche festigte und auch kontroverse Diskussionen zuließ. Weiterhin der Tag in Kosice und dort insbesondere das Treffen mit der NGO, die sich für die zwangs-sterilisierten Frauen einsetzt.

Was war das Negativste?

Der Besuch bei der Vize-Bürgermeisterin, weil ich glaube, dass wir wir dort als Gruppe etwas überheblich aufgetreten sind, weil einige von uns meinten, sich aufgrund der geringen Information, die sie hatten, schon ein Bild über die Situation der Roma in der Slowakei machen zu können und auch schon Vorschläge für deren Integration machen zu können.

Und das Wichtigste?

Das Wichtigste? Die persönlichen Kontakte zu den Menschen, die uns Thomas vorgestellt hat, also wieder zu der Frauen-NGO, aber auch zu den anderen Repräsentantinnen und Repräsentanten aus den Roma-Communities.

Eberhard, 77 Jahre alt

Was war für dich das Positivste an unsere Reise?

Die Gruppe, ihre Fragen und das Erlebnis mit der Gruppe zu diesem eigentlich ganz fremden und sperrigen Thema.

Das Negativste?

Ich könnte nicht sagen, das etwas negativ war. Irritiert hat mich die Diskrepanz zwischen dem zufriedenen, glücklichem Bild, das die Roma bei mir hinterlassen haben und dem Elend, in dem sie leben.

Und das Wichtigste?

Diese Erkenntnis.

Smizany, 18.5.2012

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