Ein Bürgermeister für alle Bürger

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Veröffentlicht am 15. Mai 2012 von Rüdiger Rossig | Hinterlasse einen Kommentar

Man sieht ihm an, dass er schwere Probleme stemmen kann.“ So kommentierte einer unserer Radreise-Teilnehmer das Äußere von Mirloslav Galas-Zaufal, dem Ortsvorsteher von Kecerovce. In der Nachbargemeinde von Rankovce leben 240 Slowaken, 2.680 Roma und seit neustem auch eine chinesische Familie, die – was sonst? – einen „Azia Tekstil Obuv“ betreibt. Zu deutsch: Einen dieser typischen Läden mit billigen Textilien aus Fernost, die seit Jahren überall in Ostmitteleuropa eröffnet werden.

burger

Bürgermeister Galas-Zaufal ist von Beruf Forstwirt – und gehört als Slowake zur zweitgrößten Minderheit im Ort. Trotzdem hat die Mehrheit der örtlichen Romi-Mehrheit den „weißen“ Sozialdemokraten gewählt. Warum?

„Miroslav kann die Leute hier zusammen bringen,“ erklärt Sozialarbeiter Julius „Julo“ Pecha, der unsere Gruppe zum Rathaus von Kecerovce begleitet hat. „Es hatten sich auch Romi zur Wahl gestellt, aber die wurden nur von ein paar Leuten gewählt, wahrscheinlich aus ihrer Verwandtschaft oder ihrem Ortsteil. Da war klar, dass die nur einen Teil der Bevölkerung vertreten würden.“ Galas-Zaufal dagegen arbeite alle Bürgerinnen und Bürger des Ortes, „das beweist er jeden Tag durch seine Arbeit,“ so Plecha, der selbst Rom ist.

„Unser größtes Problem ist die Arbeitslosigkeit“, erklärt der Bürgermeister. Bei den Romi lag die bei seinem Amtsantritt bei 100 Prozent – aber auch unter der slowakischen Bevölkerung haben nur 40 Prozent einen Job. Galas-Zaufal hat gleich nach seiner Wahl ein Arbeitsbeschaffungsprogramm aufgelegt und 300 Romi für „niedrigschwellige Arbeiten“ wie die Säuberung des Ortes und Reparaturarbeiten an den öffentlichen Gebäuden angestellt. „Wir hätten gerne mehr gemacht“, sagt der Mitt-Dreißiger mit den breiten Schultern, aber dafür fehlt uns Geld“. Was Wunder, wenn rund um Kercovce kein einziger größerer Betrieb die Transformation vom Sozialismus zum Kapitalismus überlebt hat.

Die Arbeitslosen erhalten – natürlich unabhängig von ihrem „ethnischen Hintergrund“ – eine staatliche Unterstützung von 80 Euro pro Erwachsenem im Monat. Kinder erhalten ein bisschen weniger. Bei einer vierköpfigen Familie kommen so rund 200 Euro zusammen. Diejenigen, die für das Beschäftigungsprogramm der Gemeinde arbeiten, kriegen 60 Euro pro Monat dazu. Das ist – gemessen am slowakischen Durchschnittsgehalt, das bei 700 Euro liegt – nicht viel. „Aber hier in der Ostslowakei sind die Löhne und Gehälter sowieso niedriger als im Westen der Slowakei,“ sagt der Bürgermeister. „Und außerdem ist den Leuten sowieso erstmal am wichtigsten, dass sie überhaupt etwas zu tun haben.“

Zudem hat der Bürgermeister nach seiner Wahl vor einem Jahr ein Lebensmittelhilfe-Programm für die Ärmsten in der Gemeinde aufgelegt. Es gibt nämlich auch Leute, die keine Sozialhilfe erhalten, weil sie keine Papiere haben. Was hat sich Galas-Zaufal für die kommenden drei Amtsjahre vorgenommen? „Wir unterstützen die beiden Fußballvereine vor Ort,“ sagt der Bürgermeisten. Es gibt einen slowakischen und einen Roma-Club in Kecerovce. „Immerhin spielen die beiden jetzt gegeneinander – und bringen auch ihre Auswärts-Pokale immer bei mit im Rathaus vorbei.“

Zudem würde der Sozialdemokrat mit dem beeindruckend breiten Kreuz gerne das Land kaufen, auf dem die drei illegalen Roma-Siedlungen in Kecerovce stehen. Aber hier fehlt – neben Geld – der Wille der slowakischen Besitzer, an eine Gemeindeverwaltung zu verkaufen, die die Roma-Siedlungen legalisieren will.

Will der Bürgermeister noch mal kandidieren? Galas-Zaufal denkt einen Moment nach, bevor er antwortet. „Das hier ist ein 24-Stunden-Job, sagt er dann. „Ich denke schon jetzt öfter daran, wie einfach der Leben als Forstwirt war.“

Helany, 15.5.2012

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2 Gedanken zu „Ein Bürgermeister für alle Bürger

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