Von Potsdam bis Bitterfeld

<- Bildungsurlaub 2009

Auf der Suche nach einer enkeltauglichen Zukunft

… zwischen Potsdam und Bitterfeld

Politische Radtour
Mit Annette Jensen, Journalistin und Autorin
und Thomas Handrich, Politikwissenschaftler

Von Leerräumen zu Freiräumen

Wo die Wirtschaft schrumpft und die Menschen wegziehen, entsteht nicht nur Leere, sondern auch Freiraum für Experimente und neue Lebensweisen. Mit dem Fahrrad wollen wir das Land zwischen Potsdam und Bitterfeld erkunden – eine spannende Region, in der es schon zahlreiche Zusammen-, Um- und Aufbrüche gegeben hat. Hier nahm die Reformation ihren Ausgang, und später im 18. Jahrhundert entstanden in Wörlitz die fortschrittlichsten Schulen Deutschlands. Nach dem Kollaps fast der gesamten Industrie im vergangenen Vierteljahrhundert sprießen vielerorts Initiativen, die den Lebensraum neu und nachhaltig gestalten wollen. Lassen sich hier Ansätze einer künftigen Postwachstumsökonomie schon heute erkunden?

Wir werden solidarisch wirtschaftende Bauern treffen, eine offene Hightech-Werkstatt besuchen und mit WissenschaftlerInnen vom Bauhaus in Dessau diskutieren, wie erfolgreich die von ihnen initiierten Projekte sind, Kartoffeläcker zwischen Plattenbauten zu fördern und alte Braunkohlebagger zu Konzertbühnen umzufunktionieren. Der Besuch bei einem eigensinnigen Aussteiger in seinem Bauwagen steht ebenso auf dem Programm wie der bei der 100-köpfigen Gemeinschaft Zegg, die uns nicht nur ihre abwasserlose Pflanzenkläranlage zeigt, sondern auch über ihre Lebens- und Liebensart berichtet. Wir schauen uns aber auch an, was aus Bitterfeld geworden ist, der einst schmutzigsten Stadt Europas, die Helmut Kohl zum Kern einer blühenden Landschaft machen wollte. Schmerzhafte Verlusterfahrungen, das Festkrallen an Altem und innovative Experimente liegen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt oft dicht nebeneinander. Mit Schwarmintelligenz wollen wir das gemeinsam erkunden und reflektieren.

Zwischen den Stationen radeln wir gemütlich durch die weite, flache oder sanft hügelige Landschaft – und wer möchte, kann ab und zu in einen See springen. Im Durchschnitt sind wir jeden Tag 40 bis 50 Kilometer unterwegs; für sportliche RadlerInnen gibt es auch gelegentlich eine Extratour.

Stationen der Reise 2015

Potsdam: Brandenburgs Hauptstadt gehört mit seinen einzigartigen Schloss- und Parkanlagen zum UNESCOWeltkulturerbe und war in Zeiten des aufgeklärten Absolutismus Zufluchtsort für Hugenotten. Heute bietet das Projekt „Freiland“ Räume zum Entwickeln von Fähigkeiten, die im Kommerzkapitalismus brach liegen. Auch ein FabLab gibt es hier, das mit dezentraler Hightech-Produktion experimentiert.

Region Hoher Fläming: Das Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) am Rand von Bad Belzig ist eine Lebensgemeinschaft, die sich selbst als Modell für eine ökologisch und sozial nachhaltige Lebensweise versteht. In der Umgebung haben sich zahlreiche weitere Projekte angesiedelt. Die Hofgemeinschaft Lübnitz praktiziert solidarische Landwirtschaft, und in Wiesenburg wurde der leer stehende Bahnhof in ein Kulturzentrum verwandelt.

Wittenberg: Vor fast 500 Jahren nahm mit dem Anschlag von Luthers 95 Thesen die Reformation und damit ein stürmischer Umbruch in ganz Europa seinen Ausgang. Wie kam es dazu? Und können wir aus den historischen Erfahrungen Schlüsse ziehen für heutige Transformationsprozesse?

Wörlitz und Dessau: Gleich zwei von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnete Stätten sind hier beheimatet. Das im 18. Jahrhundert angelegte Wörlitzer Gartenreich sollte die Bevölkerung durch Schönheit und Natürlichkeit zu besseren Menschen machen. Neue Wege ging auch das Bauhaus in Dessau. Es war in den 1920er Jahren das avantgardistische Zentrum der klassischen Moderne. Heute suchen hier Designer und WissenschaftlerInnen erneut nach innovativen Wegen.

Bitterfeld: Am zentralen Chemiestandort arbeiteten zu DDR-Zeiten 66.000 Menschen – heute gibt es noch 5000 Jobs. Mit Milliardensubventionen und traditioneller Industriepolitik wird versucht, Althergebrachtes in die Zukunft zu retten.

Quetzdölsdorf: In dem 400-Einwohner-Dorf gibt es eine außergewöhnliche Lebens-Bildungsstätte, wo internationale Gäste ebenso willkommen sind wie die Nachbarn. Verborgene Talente werden aktiviert und in die Dorfgemeinschaft eingebracht.

(Änderungen vorbehalten)

Beginn: 25.5.2015 14:00 am Bahnhof in Werder (Mark Brandenburg)
Ende: 31.5.2015 um 13:00 in Quetzdölsdorf (nächster Bahnhof Landsberg)

Leistungen

6 Übernachtungen im Doppel- bzw. Mehrbettzimmer inklusive Halbpension
Reiseleitung, sowie Bildungs- und Kulturprogramm
ggf. Organisation der Radausleihe

Kosten (in EUR)

590.- Normalbeitrag
800.- Huckepackbeitrag, für großzügige Menschen mit viel Geld
300.- Beitrag für Menschen mit wenig Geld (formloser Antrag).
Die GLS-Bank unterstützt das Projekt durch (Teil-)Stipendien
Ggf. Einzelzimmerzuschlag und Leihgebühr für das Fahrrad

Anmeldung und Rückfragen
Thomashandrich1 [at] aol [.] com
Tel: 0049 (0) 163 9606 125

(Stand: 15.01.2015)

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