Auf ein Wort des Abschieds mit Rüdiger

Rüdiger und ich unterhielten uns für das dritte Interview am 25.9. nachdem wir das deftige Pfälzer Essen und den fast schon obligatorischen Schoppen zu uns genommen hatten. Der einzige Haken an dem Interview war, dass die Aufnahme nicht funktionierte. Am nächsten Morgen versuchten wir zwei es erneut.

Was hältst Du von der Kombination Radreise und Bildungsurlaub?

Rüdiger Ich finde das sehr gut, obwohl es eigentlich zwei Sachen sind, die man selten verbinden würde. Aber: Der Bildungsurlaub und die Vorträge waren für mich, der nicht in dem Thema nicht drin ist, doch recht anspruchsvoll und dann ist es sehr gut danach eine Zeit zu haben, in der man das verarbeiten kann. Und diese Zeit erhält man durch die Fahrradfahrt, die dann doch relativ lange dauert und während der man mit den Gedanken abschweift aber im Hintergrund doch – meine ich – die Themen für sich verarbeiten kann. Was mir noch einfällt ist, dass man durch das Fahrradfahren ein bisschen die Geschwindigkeit und die Entfernung erleben kann, die damals hier herrschten. Die man heute mit dem Auto nicht mehr erlebt, weil man innerhalb von zehn Minuten von dem einen Ort in den anderen fährt und sich gar nicht vorstellen kann, wie lange die Menschen damals gebraucht haben, auch um ihre Aktionen zu machen. Man hat vielleicht auch ein bisschen das Gefühl, wenn man im dem Funkloch der Telekom ist, wie schwierig die Kommunikation damals gewesen sein könnte. Vielleicht auch wie abhängig von Gerüchten und wie zufällig doch manche Handlungen dann aufgrund von – aus heutiger Sicht – mangelnder Information ausgetragen wurden.

Was nimmst Du von der Reise mit nach Hause?

Ich denke das diese Reise für mich in Erinnerung bleiben wird auch wegen der Radfahrt. Das ist eine Besonderheit dieses Urlaubs. Mehr fällt mir im Moment nicht ein.

Wir hatten jetzt leichte Probleme mit dem Wetter. Hat Dich das negativ beeinflusst?

Nein überhaupt nicht. Das ist etwas, das viele Nicht-Radfahrer überschätzen. Ein kleiner Regen zwischendurch ist nichts, was einen Fahrradfahrer wirklich abhalten kann. Es gibt immer die Möglichkeit sich irgendwo unterzustellen und abzuwarten, bis der Regen vorbei ist. Ich fahre auch lieber Fahrrad bei bewölktem Himmel als bei prallem Sonnenschein. Das ist weniger anstrengend. Ich wusste natürlich, dass es im September regnen kann und schlimmer hätte ich es gefunden, wenn es richtig kalt geworden wäre. Im Urlaub muss man auch flexibel sein und als Radfahrer die Intervalle suchen, in denen man sich von einem Ort in den nächsten fortbewegen kann. Die Gefahr, dass man irgendwo völlig durchnässt, weil man vom Regen überrascht wird, besteht natürlich. Aber das passierte uns nicht und ich glaube, dass die Gefahr nicht wirklich groß ist, wenn man auf die Wettervorhersage achtet, wenn man den Himmel betrachtet und sieht, dass es bald Regen geben könnte, hat man gute Chancen trocken durchzukommen. Das schlechte Wetter war kein Grund die Radreise nicht zu machen.

Wir hatten neben mittellangen Radtour und einem Bildungsprogramm auch leckere Straußwirtschaften besucht. Meinst Du, Du hast mehr zugenommen oder abgenommen durch die Fahrt?

Ich befürchte, dass ich ein bisschen zugenommen habe. Es gab ja mehrere Radlergruppen und ich gehöre mehr zu den gemütlichen Radlern. Aber für mich war es wichtig, da ich beruflich auch viel im Büro arbeite, mich überhaupt mal bewegt zu haben. Selbst wenn ich jetzt ein bisschen zugenommen haben sollte durch das gute Essen, hoffe ich doch, dass die Bewegung mir gut getan hat. Sie hat mir auf jeden Fall besser getan, als wenn ich die Fahrt in einem Reisebus unternommen hätte.

… inzwischen sind fast drei Monate vergangen. Viel ist seitdem passiert. Ich möchte gerne noch folgendes wissen: Fällt Dir inzwischen ein oder auf, was du von der Reise mitgenommen hast?

Es bleiben vor allem Bilder im Kopf, zur Landschaft, zu den flachen Weinbergen der Pfalz, der Angst vor dem nächsten Berg, von Wein, Wurst und Gesang in der Besenwirtschaft (merkwürdigerweise hinterlässt die Erinnerung an den Saumagen noch heute ein gewisses Sättigungsgefühl). Aber auch das Archiv in Wissembourg, die Gesprächsrunde im Hotel, die Diskussionen, sind hängengeblieben Und dann war da noch die rauschende Stille der Pfälzer Waldes, die nur erfährt, wer auf dem Rad unterwegs ist und dank der Navigationssoftware des iPhones in die Irre geführt wird, bis ihn ein Funkloch fast verschluckt hätte.

Hintergrund: Dieses Interview sollte eigentlich im Rahmen der Pfalzreise 2012 erscheinen. Wie sich aber schnell herausstellte, blieb nach den Interviews – verteilt auf sechs Tage der Reise – nicht die Zeit für das Abtippen und Online-stellen. Nach der Tour holte mich der Alltag ein und die Texte ruhten zunächst als Audio-Datei und dann als Textdokument. Die Unmittelbarkeit der Situation und die quasi ungefilterte Wiedergabe von Eindrücken der Teilnehmer (Teilnehmerinnen bleiben von den Interviews verschont) ist damit natürlich hinfällig. Doch so gibt ersatzweise die Gelegenheit noch einmal nachzufragen.

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2 Gedanken zu „Auf ein Wort des Abschieds mit Rüdiger

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